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Sand - Teil 5 (1. Entwurf)

Sie ließ die langgezogene Halle mit den mehr als zwei Dutzend großen, rechteckigen Deckenöffnungen die wahrscheinlich zum Abtransport des aufbereiteten Urans gedient hatten hinter sich und schritt tiefer in die Eingeweide der Industrieanlage hinein. Sie aktivierte die Nachtsicht ihrer Gefechtsbrille um in der Dunkelheit der eintönigen, wahrscheinlich ehemals für automatisierte Transportsysteme konzipierte Gänge sehen zu können und augenblicklich wurde die Welt um sie herum in facettenreiche Grüntöne getaucht, die der gleichförmigen Architektur ein surreales und fremdartiges Aussehen verliehen.

Im völligen Kontrast zu ihrem stark verschnellerten und für sie deutlich spürbaren Herzschlages wirkte sie äußerlich vollkommen ruhig. Ihre Sinne waren klar, kein Detail schien ihrer Aufmerksamkeit zu entgehen und zumindest für diesen Moment wurde sie von einer Gelassenheit erfasst, die zu spüren ihr nicht einmal in ihrer Kindheit vergönnt gewesen war. Die Systeme ihres Anzugs zeigten ihr, dass ihre Körpertemperatur um mehrere Grad gesunken war, obwohl sie trotz der von der Sonneneinstrahlung aufgeheizten Gänge durch die sie schritt keinerlei Wahrnehmung von Kälte oder Wärme verspürte. Sie wusste, dass dieser Zustand nicht lange anhalten würde. In nur wenigen Stunden, wenn überhaupt, würde die Wirkung der injizierten Drogen nachlassen, sie vor Schwäche zusammenbrechen und das Schrapnell in ihrer Hüfte würde sie vor Schmerzen schreien lassen. Und ob ihr strapazierter Körper eine weitere Dosis verkraften würde, war mehr als zweifelhaft.

Nach Minuten, die ihr wie eine Ewigkeit erschienen, trat sie aus dem fugenlosen Transportgang in eine weite, offene Halle in dessen Mitte ein gewaltiger Berg aus Sand thronte, deren obere Hälfte durch die Strahlen der Sonne, die durch ein großes, kreisrundes Loch in der Decke herein fielen, erstrahlte. Während auf dem Boden der Halle absolute Windstille herrschte, befand sich die Spitze des unglaublich symmetrischen, sicher mehr als 20 Meter hohen Sandberges in ständiger Bewegung. Nahe dem Loch in der Decke erfassten die ständigen Sandwehen immer wieder den Sand des Berges, wirbelten ihn empor und ließen ihn wieder herabfallen, was dem gesamten Gebilde das Aussehen eines stilisierten Vulkans verlieh. An den Rändern der Halle, die im Gegensatz zu dem vom Sand dominierten Zentrum in völliger Dunkelheit lagen, offenbarte die Nachtsicht der Brille ihr mehr als ein halbes Dutzend gewaltiger Schächte, die den Boden der Halle säumten.

Ohne Zweifel handelte es sich um Bohrlöcher, durch die das Uran aus einer Tiefe von mehreren Kilometern gefördert worden war. Oder besser gesagt, gefördert werden sollte. Heutzutage wusste Niemand auf dieser Welt, und vor Allem Niemand so unbeutendes wie sie oder ihresgleichen, mehr wem oder was die Schuld für das gescheiterte Projekt, die verschwendeten Ressourcen und die Hunderttausenden von zerstörten Existenzen traf. Die naheliegensten Theorien waren fehlerhafte Messungen der Tiefenraumsonden, die auf der Suche nach lohnenden Rohstoffen seit mehr als zwei Jahrhunderten die für Menschen erreichbaren Planetensysteme erkundeten, sowie fatale Fehlinterpretationen ihrer Daten durch die verantwortlichen Analytiker. Andere Gerüchte die nach wie vor kursierten, waren die von Lügen und gezielter Übermittlung von Fehlinformationen durch die Konkurrenz, sei es ein andere Konzern oder eine Intrige aus den eigenen Reihen gewesen. Immerhin war allgemein bekannt dass Worte wie Moral, Skrupel oder Wahrheit für die Wirtschaftseliten vollkommen andere Bedeutung hatten als für gewöhnliche Menschen, vor Allem wenn Worte wie Macht oder Profit ohnehin viel größere Bedeutung hatten. Und zuletzt war da natürlich noch die Theorie, es wäre Alles auf Gottes Mist gewachsen. Der Allmächtige habe sie hierher geführt, als Bestrafung für Sünden wie ihre grenzenlose Gier, den dreisten Eingriff in seine ureigene Schöpfung dieser ach so wunderschönen Welt oder auch einfach für ihre grenzenlose Dekadenz und dem Wunsch ihr von ihm erschaffenes Paradies zu verlassen. Viele verfluchten ihn für seine Bosheit und seine Engstirnigkeit, Andere dankten ihm gar für seinen Zorn und für ihre sich ihnen jetzt bietende, einmalige Möglichkeit, für die Sünden aller Menschen Buße zutun. Und die Meisten brachen über die Idee es könnte so Etwas wie einen Gott geben einfach nur in schallender Gelächter aus.

An wessen Fehler, Lügen oder Bosheit es auch immer gelegen haben mochte, diese Welt hatte sich als fataler Fehler und Desaster entpuppt. Nach zwei Jahrzehnten notwendiger Terraformung einer zuvor unbewohnbaren Steinkugel ohne Atmosphäre, nach der Besiedelung durch mehr als 200.000 Menschen und der Verfrachtung von einer gigantischer Menge der für die Anfangszeit benötigten Ressourcen sowie dem Errichten einer überlebenswichtigen Infrastruktur, erwiesen sich die prognostizierten Bodenschätze dieser Welt als viel zu gering und minderwertig um weitere Investitionen zu rechtfertigen. Eine Welt die einmal zu einem Paradies mit riesigen Wasserflächen und gigantischer Agrarkultur hätte werden sollen, die zahllosen Millionen als Platz zum Leben und Arbeiten hätte dienen sollen, die zu einem leuchtenden Beispiel für die künftige Besiedelungen andere Welten hatte werden sollen, wurde aufgegeben. Das extrem kostspielige und ressourcenintensive Terraforming wurde eingestellt, Gütertransporte zu lohnenderen Welten umgelenkt und die bisherigen Siedler schlichtweg ihrem Schicksal überlassen.

Sie drängte die ungewollten Gedanken beiseite, bevor sie sich in ihnen zu verlieren drohte und konzentrierte sich wieder auf ihre aktuellen Probleme und die triste Umgebung. Die verbleibende Zeit, die sie fähig sein würde noch ohne zu wimmern auf ihren eigenen Füßen zu stehen, war bei Weitem zu wertvoll um sie mit Gedanken über Dinge zu verschwenden, die sie ohnehin Niemals würde ändern können. Weder sie noch sonst Irgendwer. Bis auf die gegossene Form der geometrischen Betonstrukturen schienen die hohen Vertreter der wirtschaftlichen Elite nichts zurückgelassen zu haben. Kein Stück des auf dieser Welt ungemein wertvollen, wieder verwendbaren Plastmetalls war zu entdecken, nur Löcher und Einkerbungen in denen ehemals verschiedene Arten von Aufhängungen, Schienensysteme oder Abschirmungen vorhanden gewesen sein mussten waren auszumachen. In einer Welt mit bescheidenen Ressourcen und ohne jede Hoffnung auf künftige Importe war wohl nichts Anderes zu erwarten gewesen.

Ihr durch die sie noch immer durchflutende und mitreißende Wirkung des Drogencocktails geschärfter Blick fiel auf etwas Längliches, Unförmiges das unweit des bizarr anmutenden Sandvulkans auf dem mit einer ebenen und weit in den Raum reichenden Sandschicht überzogenen Boden lag. Schnellen Schrittes, wie ein aufgedrehtes, von Neugier beherrschtes Kind rannte sie auf das kantige, gräuliche Objekt zu. Es war ein Stück Fels. Etwas größer als ihre Hand, teilweise von den Jahrzehnten der nächtlichen Sandstürme fast gänzlich glatt geschliffen und an einer Seite grob und unregelmäßig. Auf einer Welt, die fast gänzlich aus grauem Gestein bestand und in der auch der allgegenwärtige Sand vor kaum mehr als 100 Jahren aus festem Fels bestanden hatte, sollte dieser Anblick im Grunde nichts Außergewöhnliches sein. Hier draußen in der Steppe war das normalerweise vollkommen wertlose Objekt jedoch eine wahre Seltenheit. Stein existierte hier draußen im Großen und Ganzen nur in zwei Formen. Das Felsgestein, dass zunehmend von dem auf furchtbare Geschwindigkeiten beschleunigtem Sand abgenagt und zu grotesken Formationen geschliffen wurde und dem Sand selbst, aus dem bis auf die Plastbetonbauten und dem importieren Metall der Menschen eines Tages vielleicht der ganze Planet bestehen würde, eine Welt aus Sand, nur zusammengehalten durch die Gravitation ihrer eigenen Masse. Vermutlich war der Stein erst vor kurzem durch die Stürme von einer Felsformation gebrochen und hier herunter geweht worden, bevor der Sand ihn in seinesgleichen hatte zerreiben können.

Prüfend wog sie den Stein in ihrer noch immer sandverkrusteten Hand und konnte sich ein kaltes, durch den Drogenrausch überhebliches Lächeln nicht verkneifen. In einer Zeit in der selbst hier, auf dieser verlorenen Welt am Rande des besiedelten Raumes jedes kleine, in den Ghettos der Stadt geborene Kind mit Technologie spielte, die im Grunde keiner der hier lebenden Menschen mehr im Stande war zu verstehen, war die einzige Waffe die ihr zur Verfügung stand ein einfacher Stein. Sollte der Gott ihrer Verfolger tatsächlich existieren, so schien er zumindest über eine interessante Art des Humors zu verfügen. Und wenn dieser Stein Alles war, was sie bekommen konnte, so würde er eben reichen müssen. Die betäubende Wirkung der Drogen ließ sie keinerlei Schmerz spüren, als ihre Hand sich so fest um den einzigen Freund schloss der ihr geblieben war, das sie zu bluten begann.


Teil 6

current mood

17.2.09 05:07
 
Letzte Einträge: 80s (02.10.2010), 80s (06.11.2010), 80s Party - Samstag, 05.02.2011



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