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Sand - Teil 3 (1. Entwurf)

Die Bilder wirkten unscharf und körnig wie der allgegenwärtige Sand und zogen seltsame, beinahe flüssig erscheinende Schlieren hinter sich her, die auf seltsame Art und Weise einfach Falsch wirkten. Als seien sie nicht dem normalen Farbspektrum zuzuordnen und deren zu eingehende Betrachtung zu schmerzenden Augen und Schwindel führen würde. Die Geschwindigkeit, in der sich die erlebten Schrecken wiederholten schien undefinierbar zu sein. Mal prasselten die Eindrücke in so unglaublich rascher Folge auf sie ein, dass sie den Geschehnissen kaum folgen konnte, mal zogen sie sich zäh und wie in einer maßlos übertriebenen Zeitlupe dahin. Dies traf vor Allem auf die Bilder zu, von denen sie gehofft hatte, sie nie wieder sehen zu müssen. Und von denen sie wusste dass sie sie bis an Ende ihrer Tage verfolgen würden.

In verzerrter Darstellung und trotzdem in einer erschreckenden Klarheit sah sie wie der fast schon altertümlich anmutende Deckengeschützturm mit grausamer Effizienz einen Feuerstoß nach dem Anderen abfeuerte und die Stahldornprojektile ihre Kameraden in blutige Stücke riss. Sie sah wie der grobe, orangefarbene Flammenstrahl der Energiewaffe das Bein und Teile des Unterkörpers ihres Geliebten in Sekundenbruchteilen zerfraß und in Asche verwandelte, die noch durch die Luft rieselte als die verbleibenden Reste seines Körpers längst zappelnd auf den mit Sand bedeckten Hallenboden aufgeschlagen waren. Sie roch sein verbranntes Fleisch, hörte seine gequältes, an ein Kind erinnerndes Wimmern und sah den schmerzerfüllten, verzweifelten Ausdruck in seinen Augen, als er sah dass sie ohne innezuhalten weiter rannte. Sie sah…

Der Elektroschock, der zeitgleich mit der automatischen Injektion durch die Notfallsysteme ihres Kampfanzuges erfolgte, riss sie fort von den unerwünschten Bildern und hinein in eine Welt der Schmerzen. Sie japste nach Atem und konnte durch ihre sandverkrusteten Atemwege gerade genug Luft in ihre Lungen ziehen um einen gequälten Würgelaut von sich zu geben. Der Schmerz in ihrer verletzten Hüfte trieb ihr Tränen in die Augen, die schmerzstillende Wirkung des Gefechtsverbandes schien seine Wirkung eingestellt zu haben und das scharfkantige Schrapnell, das noch immer tief in ihrem Fleisch saß brachte sich in ihre Erinnerung zurück. Sie versuchte die grausamen Qualen zu ignorieren und tastete, noch immer um Luft ringend und mit zitternden, schwer zu koordinierenden Bewegungen nach einem der in die Oberschenkel ihres Anzugs integrierten Wasserkissen.

Die Innenseite des enganliegenden, leichten Kampfanzuges sammelte jeden Tropfen Körperflüssigkeit derer er habhaft werden konnte, sei es Schweiß, Urin oder gar Blut, filterte es mehrfach und lagerte es in die zugehörigen Sammelkissen. In einer Welt aus Sand und Gestein unter einer gnadenlosen Sonne, einer Welt im Grunde gänzlich ohne ein nennenswertes Gewässer in der es Niemals geregnet hatte oder regnen würde, war das Sparen von Wasser zu einer lebenswichtigen Notwendigkeit geworden. Zumindest für das einfache Volk abseits der prunkvollen Siedlungen der Industrielords, in denen es weder Zugang zur künstlichen Wassererzeugung gab, noch das Leben in Übermaß und Verschwendung zum guten Ton gehörte.

Begierig und doch langsam und sparsam trank sie die lauwarme Flüssigkeit aus dem dünnen, durchsichtigen Schlauch der zu dem System der Wasserkissen gehörte. Sie ignorierte die nicht unerhebliche Menge des jetzt schlammig gewordenen Sandes aus ihrem Mund, den sie mit jedem einzelnen Schluck mit herunterspülte. Ein sandiger Magen sollte ihr kleines Problem sein. Jetzt, durch ihre zumindest teilweise befreiten Atemwege ruhiger atmend lag sie still da, noch immer mit geschlossenen Augen und versuchte mit allen Mitteln den brennenden Schmerz in ihrer Hüfte zu ignorieren. Nur zögerlich setze die Wirkung des biochemischen Cocktails ein, den die medizinischen Notfallsysteme des Anzugs ihr injiziert hatten, nachdem die Messungen ihrer Biowerte ein baldiges Ende ihrer Lebensfähigkeit registriert hatten.

Adrenalin, Amphetamin, neuronale Botenstoffe und Dutzende von anderen Zutaten, die selbst die wenigsten gut ausgebildeten Mediziner jemals allesamt kennen würden. Innerhalb von Sekunden wurde der gesamte Kreislauf auf Hochtouren geschraubt, ihr Herzschlag enorm beschleunigt und dem Körper wurde vorgetäuscht auf Energiereserven zurückzugreifen, die Niemals vorhanden waren. Fast schlagartig durchflutete die Wirkung der Designerdrogen ihren Kopf, die Müdigkeit fiel von ihr ab und die Schmerzen in ihrer Hüfte schrumpften auf ein erträgliches Maß herab. Als Nebenwirkung ergriff eine gewisse Taubheit von ihr Besitz, Wahrnehmung von Wärme und Kälte verloren sich in der Unendlichkeit und das erschreckende Gefühl auf seltsame Weise fremd im eigenen Körper zu sein erfasste sie.

Der Einsatz solcher Notfalldrogencocktails, die für das Militär entwickelt wurden um Soldaten die Chance zu geben bis zum Eintreffen einer Sanitäters zu überleben oder zumindest noch ein paar Feinde mit in den Tod zu reißen, war alles Andere als Gesund. Die Folgen des Konsums der teilweise experimentellen chemischen Stoffe und das Ausmaß der Wechselwirkungen einer solchen Menge verschiedener Zutaten konnten drastisch sein und es hatte Testpersonen gegeben, die sich Niemals gänzlich von diesem Trip erholt hatte. Besser als zu sterben. Sie wusste nicht ob es an der Wirkung der Drogen auf ihr Denken lag, dass ihr jetzt Rational, Kontrolliert und Gefühlskalt erschien, doch von dem Wunsch zu sterben hatte sie sich weit entfernt.

Langsam öffnete sie ihre verklebten Augen und wischte den Sand fort, der teilweise das Sichtfeld ihrer Brille bedeckte. Dunkelheit. Mit ihrer rechten Hand, deren Bewegungen jetzt nicht mehr zitternd und fahrig waren, veränderte sie den Tönungsgrad der Brille und deaktivierte in letztlich ganz. Über ihr drang nur von einer Seite rotes Sonnenlicht in das Gewölbe, in das sie offensichtlich gefallen war, das immer wieder von einzelnen Sandwehen gemildert wurde, die den breiten Spalt über ihr passierten. Sie lag im Schatten, fast 10 Meter unter einer gegossenen Plastbetondecke, an der noch die Aufhängungen der ehemals wahrscheinlich zahllosen Metallverstrebungen zu erkennen waren, die für alte Industriebetriebe obligatorisch waren. Sie lag auf einer Schräge aus Sand, die sie herunter gerollt sein musste nachdem ihre Flucht im Sturz geendet hatte.

Vorsichtig setzte sie sich auf und unterzog ihre Umgebung einer genaueren Betrachtung. Eine dunkle, langgezogene Halle, deren Leere an Dutzenden von Stellen durch Schrägen und flachen Pyramiden aus Sand unterbrochen wurde, der eingedrungen sein musste als die in solchen Komplexen allgegenwärtigen Überdruckanlagen beim Verlassen dieser Einrichtung entfernt wurden. Offensichtlich war, wie es auf dieser Welt gang und gäbe war, Alles von Wert ordnungsgemäß entfernt worden, jedes zusammenhängende Stück Plastmetall war sicher längst für einen anderen Zweck eingesetzt worden. Ihres Wissens nach wurden die letzten Minenbetriebe in der Steppe bereits vor mehr als 40 Jahren eingestellt worden, einige von ihnen bereits ein Jahrzehnt zuvor. Dies war zugleich der letzte Beweis gewesen den die Konzernaristokratie gebraucht hatte, um sich entgültig einzugestehen, was im Grunde jeder schon länger wusste. Dass diese ganze Welt ein Fehler gewesen war.

Mit einem klickenden Geräusch löste sie die Gefechtsbrille aus ihrer Halterung und ließ ihre tiefgrünen und von einem verkrusteten Rand umgebenen Augen zum Vorschein kommen. Die Wirkung der Drogen hatte ihre Pupillen zu nicht mehr als einem Punkt zusammenschrumpfen lassen und das Weiße ihrer Augen einen reflektierenden, glasigen Schein annehmen lassen. Sie aktivierte die medizinischen Sensoren der Brillen und ließ sie langsam über den Gefechtsverband an ihrer Hüfte gleiten. Der medizinische Schnellreport der wenigen Sekunden auf dem Display der Brille angezeigt wurde, offenbarte ihr was sie bereits befürchtet hatte. Das Schrapnell hatte sich verformt, fügte dem umliegenden Gewebe fortlaufend Schaden zu und war ohne grundlegende medizinische Ausrüstung nicht zu entfernen. Zumindest die lähmende Wirkung des beigefügten Giftcocktails hatte der Gefechtsverband neutralisieren können.

Langsam erhob sie sich aus ihrer liegenden Position und begann mit der oberflächlichen Überprüfung ihrer Gliedmaßen. Soweit sie es durch die von der Drogeninjektion hervorgerufene Unempfindlichkeit ihres Körpers feststellen konnte, hatte sie keinerlei Verletzungen die über einfache Prellungen hinausgingen erlitten. Sie stand auf und streckte ihre Glieder, die allesamt funktionstüchtig erschienen, auch wenn sie im ersten Moment gänzlich gefühllos erschienen. Sie nahm sich die Zeit den Sand aus ihrem fein geschnittenen und von den erlittenen Strapazen gezeichneten Gesichtes zu wischen, streifte die im Anzug integrierte Kapuze ab und strich sich durch ihr kurzes, dunkelblaues Haar. Schnell und routiniert überprüfte sie ihre spärliche Ausrüstung und stellte fest, dass sie ihr Gausspistole nicht in der vorgesehenen Haltevorrichtung steckte. Schlagartig fiel ihr der Grund für das Fehlen der Waffe ein und ein kurzes Schaudern durchzuckte sie, als die Erkenntnis sie einholte, was sie vorgehabt hatte zu tun und um ein Haar auch getan hatte.

Sie ließ ihren Blick über die gewaltige Sandschräge gleiten, über die ständig neuer, feinkörniger Sand seinen Weg in die Tiefe fand. Sie fluchte in sich hinein, normalerweise wäre ihre Gefechtsbrille in der Lage gewesen, die elektrischen Spulen im Inneren der Waffe auch durch eine gewisse Schicht Sand hindurch orten zu können, hätte es sich bei ihrer Gausspistole nicht um eine Waffe gehandelt, bei der dies gezielt verhindert wurde. Selbst moderne Waffenscanner konnten dieses kleine, technische Wunderwerk nicht orten, was der Grund war warum sie in den letzten Jahren so unglaublich wertvoll für sie geworden war. Und was der Grund war, warum sie sie jetzt für immer verloren hatte.

Ihr Blick glitt hinauf zu dem breiten Spalt durch den noch immer der Rot lodernde Feuerball am Himmel zu sehen war und schätzte die Zeit ab, die sie ohne Bewusstsein gewesen war. Zwei Stunden, vielleicht etwas weniger. Es war jetzt früher Nachmittag, es würden nur noch wenige Stunden vergehen, bis die Sonne hinter den Bergen versinken würde und die kalten Stürme die Herrschaft über das Land wieder an sich reißen würden. Genug Zeit für ihre Verfolger sie und diesen Ort zu finden.

Sie klickte ihre Gefechtsbrille wieder in ihre Halterung ein und setzte sich durch die langgezogene Industriehalle in Bewegung. Ihr Herz hämmerte noch immer durch die Wirkung der Drogen, eine Zielstrebigkeit, Gefühlskälte und Furchtlosigkeit hatte sie erfasst, die ihr unter normalen Umständen eine Heidenangst eingejagt hätten. Aber es waren eben keine normalen Umstände. Sehen wir ob die Industrielords entgegen ihren Neigungen ausnahmsweisemal etwas zurückgelassen haben. Etwas wie eine Waffe.


Teil 4

current mood

13.2.09 04:58
 
Letzte Einträge: 80s (02.10.2010), 80s (06.11.2010), 80s Party - Samstag, 05.02.2011



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