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Sand - Teil 1 (1. Entwurf)

Der Skorpion hob sich trotz der Sandwehen deutlich von der rauen Ebene und den scharfkantigen Sandsteinformationen ab, in deren Windschatten er vollkommen regungslos verharrte. Die sengende Mittagsonne, die wie eine gigantisches rotes Flutlicht den Himmel dominierte und deren gleißende Helligkeit die Sicht auf die zwei kleinen Monde gänzlich verschluckte die sich ebenfalls am Himmel hätten zeigen sollen, brannte auf den schwarzen, deutlich segmentierten Körper herab. Man hätte das Tier für Tod halten können und wahrscheinlich hätte nicht einmal ein fortgeschrittener Bioscanner bei diesen Temperaturen ein Lebenszeichen unter der Chitinpanzerung wahrnehmen können.

Er wirkte ohnehin in vielerlei Hinsicht vollkommen fehl am Platze. Als Kulturfolger hätte der Skorpion sich in der Nähe menschlicher Behausungen aufhalten sollen und nicht so weit abseits jeglicher von Menschen besiedelten Gebiete. Und selbst für ein Lebewesen, dass im Extremfall gar mehrere Jahre ohne Nahrungszufuhr auszukommen vermag, sollte die karge Umgebung der Steppe kaum nennenswerte Beute zu bieten haben. Ganz abgesehen davon, dass der Nutzen und die Existenzberechtigung eines Skorpions in einem künstlichen, ausschließlich auf den Menschen ausgelegtem Ökosystem mehr als fraglich erschien. Letztlich musste es jedoch eine rationale Erklärung geben, warum auch diese Spezies im Rahmen der Kolonisierung und der, aus einer nachvollziehbaren Kosten-Nutzenrechnung niemals zu Ende geführten Terraformung, in diese Welt importiert worden war. Selbst wenn es nur die fragwürdige Laune eines der verantwortlichen Biodesigner gewesen war.

Niemals hatte ein menschliches Auge den über den flachen Körper erhobenen Schwanz mit ihrem fast schon künstlerisch anmutendem Muster, die in einer scheinbar ständigen Drohhaltung erhobenen und im Vergleich zum Körper riesenhaften Scherenbeine oder die glatte, nichtssagende Oberfläche der dunklen Augen dieser Kreatur erblickt. Ebenso wie Niemand sie sterben sah, oder ihr Sterben auch nur registrierte. Als die flexible Kunststoffsohle des leichten Kampfstiefels, der aufgrund seiner Färbung sehr viel besser in die Umgebung zu passen schien, die Panzerung des Tieres zerquetschte und das weiche Innere aus der geborstenen schwarzen Schale drückte, gab es ein langgezogenes, knackendes Geräusch. Doch auch dieses Geräusch wurde von Niemandem wahrgenommen, außer vielleicht von dem Skorpion selbst.

Das ohrenbetäubende Hämmern ihres eigenen Herzschlages und das wimmernde Geheule des ewig währenden Windes verschluckten alle anderen Geräusche, die die Stiefelträgerin sonst vielleicht hätte hören können. Ihre schnellen Schritte unter der gnadenlosen Sonne, die den überwiegenden Teil des unfertig wirkenden und stets wolkenlosen Himmels in ein von Schlieren durchzogenes Orange verwandelte, wirkten sicher und erfahren, doch sah man ihnen das Maß der Erschöpfung an, unter dem sie mehr und mehr zu leiden schien. Der Schweiß, der ihr über die nicht von der geschlossenen, dunkel getönten Brille bedeckten Teil ihres Gesichtes lief, verband sich mit dem feinkörnigen Sand, den der unbarmherzig über die Steppe peitschende Wind in immer stärkeren Böen heranwehte zu einer unregelmäßigen Kruste, die ihre Gesichtszüge in eine groteske Maske verwandelte. Ihr leichter Chamäleonkampfanzug, dessen Antihaftbeschichtung im Gegensatz zu ihrem Gesicht und ihren Händen jeglichem Sand den Halt verweigerte, versuchte unentwegt sich dem Hintergrund anzupassen, scheiterte jedoch kläglich an den unregelmäßigen Sandschlieren, die in Bodennähe durch die Umgebung jagten.

Zunehmend schwanden ihre Sinne. Die immer unerträglichere Hitze, die Entbehrungen der letzten Stunden die sie ohne eine Rast oder auch nur ein Innehalten gerannt war und nicht zuletzt die Verletzung an ihrer Hüfte, wo das Schrapnellgeschoss sie getroffen hatte, ihren Kampfanzug wie Butter durchschnitten hatte und tief in ihr Fleisch gedrungen war, forderten ihren Tribut. Obwohl sie ihre verkrusteten Lippen mit aller Kraft zusammenpresste, schien der Sand, der sich unaufhaltsam in ihren Mund und ihre Nase presste und sich bis hinab in die Tiefen ihres Halses vorgearbeitet hatte, sie zugleich auszutrocknen und ersticken zu wollen. Routiniert fanden ihre Beine bei jedem Kontakt mit dem durch das Sandwehen nur teilweise sichtbaren Boden halt und die passiven Servosysteme der Stiefel und des Kampfanzuges halfen ihr weiterhin die Kraft für die schnellen und weit ausholenden Schritte aufzubringen, doch wusste sie dass ihr wahrscheinlich nur noch wenige Minuten bleiben würden bis sie vor Erschöpfung zusammenbrechen würde. Wenn nicht ein unglückliches Aufkommen auf dem vor ihren Augen verschwimmenden, immer unregelmäßigerem Felsboden ihr einen Fall oder gar einen Bruch bescheren würde, der ihrer Flucht ein noch schnelleres Ende bereiten würde.

Doch an Aufgeben war nicht zu denken. Eher Ersticken, Verdursten oder vor Erschöpfung zu Grunde gehen als ihren Häschern in die Hände zu fallen. Ihrem umbändigen Zorn, ihrer beispiellosen Grausamkeit und ihrem unerschütterlichen Glauben. Und der Gedanke, sie hätten ihre Suche, ihre Jagd nach ihr vielleicht bereits aufgegeben, war geradezu lachhaft. Fanatiker gaben nicht auf. Es war die Mischung aus der festen Überzeugung, dass ihr Herr sie niemals würde scheitern lassen und der Angst Denselbigen enttäuschen zu können. Die Kraft des Glaubens. Die schier grenzenlose Willenstärke die nur eine noch grenzenlosere Naivität verleihen kann.

Sie spürte deutlich wie die letzten Reserven ihrer Kraft von ihr wichen, ihre Anfangs festen Schritten und Sprünge mehr und mehr zu einem trunkenen Stolpern wurden und wie die Sicht auf das verwaschene Inferno aus wehendem Sand unter einer gleißenden roten Sonne zu einem Strudel greller Farben degradiert wurde. Die kläglichen Versuche nach Atem zu ringen wurden von Mal zu Mal schmerzhafter und beförderten nur noch mehr Sand in ihre scheinbar aus Sandpapier bestehenden Atemwege.

Nicht so. Nicht auf diese Art. Ihre eigenen Gedanken hallten wie die Schreie einer Fremden durch ihren Kopf. Die Gefahr, dass sie vielleicht nicht sterben würde, sondern von ihren Verfolgern gefunden und am Leben erhalten wurde, nur um ihr Leben zu etwas Schlimmeren als den Tod werden zu lassen, war zu hoch. Noch immer vorwärts taumelnd und mit unkoordinierten Bewegungen tastete ihre sandverkrustete Hand nach der kleinen, vollautomatischen Gausspistole an ihrem Multifunktionsgürtel. Lieber jagte sie sich selber ein Hochgeschwindigkeitsprojektil durch den Kopf, lieber beendete sie ihr nichtswürdiges Leben selbst, als in die Welt der Schmerzen einzutreten, welche diese Fanatiker ihr zeigen würden. Wie von selbst schien sich ihr Arm zu bewegen, hob die zierliche Waffe und richtete sie auf die Seite ihres Kopfes, als…

Der nächste Schritt ging ins Leere. Wie in einer nicht zu stoppenden Routine setzten ihre Beine die jetzt sinnlosen Laufbewegungen fort, während die Schwerkraft sie wie die Faust eines Riesen packte und sie in die sandumwehte Dunkelheit hinab riss.


Teil 2

current mood

11.2.09 04:13
 
Letzte Einträge: 80s (02.10.2010), 80s (06.11.2010), 80s Party - Samstag, 05.02.2011



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