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Unbedeutendes Fragment Nr. 2 (1. Entwurf)


Das grausame, langsam an Lautstärke und Dringlichkeit zunehmende Zirpen des Funkweckers riss ihn ohne Vorwarnung oder sanften Übergang aus seinen verstörenden Träumen. Augenblicklich schoss er in eine sitzende Position, sog so gierig Luft in seine Lungen als hätte er seit Stunden keinen Atemzug mehr getan und wartete darauf dass sich die verschwommenen Aspekte seiner Wahrnehmung zu einem Bild der Realität zusammensetzte, wie er sie kannte. Erst als ihm wieder bewusst wurde, Wer, Wo und Warum er war, brachte er das mittlerweile ohrenbetäubende Geschrei des Weckers durch einen kurzen Ausruf zum Schweigen.

Er schlug die verschwitzte Satinbettwäsche zur Seite, hob sich langsam aus dem Bett und schlurfte noch sichtlich verschlafen und unter den Nachwehen seines bizarren Traumes leidend in das schwarz/weiß gekachelte Badezimmer hinein. Beinahe ohne sein eigenes Zutun fanden seine Beine den immer gleichen Weg in die offene Duschkabine und kurz darauf trafen die ersten Wasserstrahlen auf seinen Körper. Das Wasser vermischte sich mit dem ihn bedeckenden Schweiß, zog ihn mit sich und riss ihn in die Tiefe hinab. Minutenlang stand er fast regungslos unter dem prasselnden Wasser, spürte wie ihn die angenehme Frische der kühlen Flüssigkeit vitalisierte, zu neuem Leben erweckte und jegliche Reste des unangenehmen Schlafbegleiters aus seinem Bewusstsein fortspülte.

Neugeboren und die Haare mit dem kleinen, schnurlosen Heißluftfön trocknend trat er gut gelaunt in das Wohnzimmer ein und schaltete den beinahe die halbe Wand einnehmenden Flachbildschirm ein. Augenblicklich erschien das adrette Gesicht des Nachrichtensprechers auf dem Schirm, der dabei war das Bild einer schöngefärbten Wirklichkeit in die Köpfe der Zuschauer zu malen. Schön genug um Hoffnungen und Träume zu erhalten und das steigende Konsumverhalten nicht zu gefährden aber dennoch so schlecht und voller Abgründe, dass Jeder einen Grund zur Beschwerde hatte und mit der Gesamtsituation unzufrieden sein konnte. Vor Allem jedoch musste das Bild genug unterschiedliche Farben und einen hohen Deckungsgrad aufweisen, damit Niemand mehr die Wahrheiten auf der übertünchten Leinwand erkennen konnte.

Noch bevor seine Haare die letzte Spur von Nässe verloren hatten, griff er mit der Linken nach dem heißen Kaffee den die hilfsbereite, an seinem Wecker gekoppelte Maschine eigens für ihn gemacht hatte und nippte daran. Augenblicklich spürte er wie die wohlige Energie des amphetaminverstärkten Koffeins durch seinen Körper zog und ihm die Kraft und Produktivität verleihen würde um einen vorbildlichen Arbeitstag zu absolvieren. Er legte den Fön beiseite, nahm die angenehm riechende Frühstückstasche aus der Ofenautomatik und biss herzhaft in die mit Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen und unbekannten Zusatzstoffen durchsetzte, eigens auf seine Bedürfnisse ausgerichtete Nahrungseinheit. 'Alles was Du brauchst', lautete die weltweit bekannte Werbebotschaft der strohblonden Grundschülerin, daher musste es auch so sein.

Nach dem er brav seinen Kaffee getrunken und sein Frühstück verspeist hatte, zog er einen seiner dunklen, sich nur in unwesentlichen Kleinigkeiten unterscheidenden Anzüge an und entschied sich an diesem Tage für eine fast schon abenteuerliche, graugestreifte Krawatte. Er warf noch einen schnellen, routinierten Blick in den Spiegel, schenkte seinem Gegenüber ein durch seine frisch gebleichten Zähne strahlendes Lächeln und kämmte die letzten, kaum erkennbaren Unregelmäßigkeiten aus seinen kurzen, glatten Haaren.

Heute würde ein guter Tag werden. Denn er würde genauso sein wie jeder Andere.


current mood

26.6.08 20:33
 
Letzte Einträge: 80s (02.10.2010), 80s (06.11.2010), 80s Party - Samstag, 05.02.2011



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